Meister mit eigenem Kreis

Meister mit eigenem Kreis

Wolfgang Frommels George-Nachfolge

von Thomas Karlauf

Dieser Text erschien in Heft 2/2011 von Sinn und Form und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Verfasser.
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Ich habe es versäumt, mit ihm darüber zu sprechen. Als im Herbst 1983 der Amsterdamer Freundeskreis von jenem Brief erfuhr, aus dem, wie es hieß, hervorging, daß Wolfgang Frommel nie beim Meister zu Besuch gewesen sei, habe ich nicht mehr den Mut gefunden, eine eindeutige Antwort von ihm zu verlangen. Frommel stand im 82. Lebensjahr, seine Kräfte hatten zuletzt stark nachgelassen. Warum ihn noch einmal quälen mit einer Frage, die auszusprechen für die meisten Freunde schon Verrat bedeutete, schließlich gehörte Frommels „Dichterbericht“, in dem er seine Begegnung mit Stefan George im Jahre 1923 ausführlich geschildert hatte, zu den Identität stiftenden Büchern unserer Runde.
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Ganz eigen im Kreis: Thomas Karlauf im Castrum Peregrini, Zeitung lesend.

Innerlich hatte ich bereits Abschied genommen: Ein paar Monate noch, dann würde ich das exterritoriale Leben der letzten zehn Jahre für immer hinter mir lassen und nach Deutschland zurückkehren. Es gab keinen Grund, noch einmal eine dieser aufreibenden Diskussionen über richtige und falsche Überlieferung vom Zaun zu brechen. Die Frage, ob Frommel George begegnet war oder nicht, hatte für mich keine existenzielle Notwendigkeit mehr, sie interessierte mich nur noch phänomenologisch, und deshalb ging ich dieser letzten Auseinandersetzung aus dem Weg.

Fünfundzwanzig Jahre später gewann das Thema jene Eigendynamik, die meinen Ehrgeiz weckte: Jetzt wollte ich es doch genauer wissen. Ende 2007 stellte die Zeitschrift „Castrum Peregrini“, von Frommel 1951 im Geist Stefan Georges gegründet und bis zum Ende der Magnetberg seiner Verehrung, nach 280 Heften ihr Erscheinen ein. Ohne Frommel und seine Zeitschrift – so schrieb ich damals – „wäre die eigentümliche Welt Stefan Georges, die Welt des ‚geheimen Deutschland’, nicht bis an die Schwelle des 21. Jahrhunderts präsent geblieben“, und fügte hinzu, daß das Frommelsche Lebenswerk noch um vieles staunenswerter sei, wenn man bedenke, daß er George wahrscheinlich nie begegnet ist. In den Augen der Nachlebenden hatte ich mich damit endgültig als Verräter erwiesen. Daß es hier nicht um Wahrheit oder Lüge ging, sondern um die Bedingungen einer Nachfolge, die ohne persönliche Legitimation durch den Stifter nicht glaubte auskommen zu können, und daß genau hier das geistige Abenteuer begann, überstieg die Vorstellungskraft der Orthodoxen.

In „Kreis ohne Meister“, seiner zwei Jahre später erschienenen Studie über das Nachleben Georges nahm Ulrich Raulff auf meine Ausführungen Bezug. Wegen des problematischen Quellenzugangs habe er auf ein Kapitel über Wolfgang Frommel und das „Castrum Peregrini“ verzichtet. Er könne allerdings nicht erkennen, daß eine Wirkungsgeschichte Georges ohne dieses Kapitel unvollständig sei, im Gegenteil. Raulff schien geradezu erleichtert, daß er sich mit den Amsterdamer Dunkelmännern nicht näher befassen mußte. Vor allem hätte ihn der Alleinvertretungsanspruch des „Castrum Peregrini“ gezwungen, Nachfolge – den zentralen, von ihm recht großzügig gehandhabten Begriff seines Buches – genauer zu definieren. Weil er hier im Ungefähren blieb, konnte er zahlreiche für das Nachleben Georges periphere Figuren in den Zeugenstand rufen, wie etwa den Prinzen Löwenstein, der durch köstliche Anekdoten zur Eroberung Helgolands freilich sehr zum Unterhaltungswert des Buches beitrug.

So weit, so gut, könnte man sagen, eine Georgesche Wirkungsgeschichte ohne Frommel ist eben eine Georgesche Wirkungsgeschichte, die einen ganz bestimmten, zunächst nicht näher bezeichneten Bereich ausklammert. Ein bißchen schade, wird der eine oder andere gedacht haben, aber schließlich haben es sich die Frommel-Erben selbst zuzuschreiben, daß sie noch restriktiver und selektiver mit den Akten umgehen als das Politische Archiv des Auswärtigen Amtes. Schlägt man indes das Register des Raulffschen Buches auf, stellt man fest, daß der Name Frommel zu den am häufigsten genannten gehört, daß er genauso oft vorkommt wie der seiner beiden schärfsten Widersacher im Kampf um die George-Nachfolge: Edgar Salin und Ludwig Thormaehlen. Wie ein roter Faden zieht sich der Name durch das Buch. Das wirft dann doch Fragen auf.

Im George-Kreis der späten zwanziger und dreißiger Jahre galt Frommel als der Usurpator, der sich über geschickt eingefädelte Beziehungen Zugang zum Innersten verschaffen wollte, und entsprechend schlecht wurde über ihn gesprochen. Nach dem Krieg setzte sich diese Rivalität in den Diadochenkämpfen fort, die insbesondere zwischen Amsterdam und Genf, dem Wohnsitz des Erben Robert Boehringer, ausgetragen wurden. Während die meisten Freunde Georges in Frommels Augen zu bloßen Verwaltern mutiert waren, die sich längst in bürgerlichen Existenzen eingerichtet und damit dessen Ideale mehr oder minder verraten hatten, war er dem Auftrag des Dichters gefolgt: durch alle Fährnisse hindurch unverzagt nach jener Jugend Ausschau zu halten, die bereit war zur Aufnahme des dichterischen Wortes. Es ging in dieser Auseinandersetzung nicht darum, wer welche Texte veröffentlichen durfte, es ging um Grundsätzliches: um die Berechtigung der eigenen Existenz, die zugleich die Existenz des jeweils anderen verneinte. Dem Erben in Genf hätte es ziemlich gleichgültig sein können, was Frommel trieb, wäre ihm dies nicht wie ein schwerer Mißbrauch des Georgeschen Werkes vorgekommen.

Hier wiederholte sich ein Verdacht, dem George selbst ein Leben lang ausgesetzt war, der Verdacht, daß seine Gedichte immer auch als Werkzeuge dienten, schöne Jünglinge aufzuschließen. Weil sie in ihm eine Art photographisches Negativ erkannten, das an die flimmernden Seiten Georges erinnerte, die ihnen ja durchaus nicht verborgen geblieben waren, ist Frommel in den Briefen der George-Jünger als Scharlatan und böser Geist, als der leibhaftige Antichrist allgegenwärtig. Spätestens seit 1931, als der von ihm initiierte Gedichtband „Huldigung“ die Verehrung für George zum Programm erhob: „Es ist das erste Mal“, hieß es im Ankündigungsprospekt, „daß aus dem Lager der weiteren Jugend dichterisch eine Antwort auf den an sie ergangenen Ruf vernommen wird.“ Frommels Aktivitäten, nicht zuletzt viele der in dem von ihm geführten Runde-Verlag erschienenen Publikationen, brachten die Freunde Georges wiederholt in Verlegenheit. Frommel war der Stachel im Fleisch der Georgeaner.

Der ganze Haß gegen ihn entlud sich in einem elfseitigen Pamphlet des Kunsthistorikers Ludwig Thormaehlen vom Januar 1951. In Form eines Briefes an Robert Boehringer – der damals für sein George-Buch recherchierte – breitete Thormaehlen die „Vorgeschichte dieses tief unerfreulichen Ereignisses“ aus, das in seiner Wahrnehmung auf eine von Juden gesteuerte Verschwörung hinauslief (seinem Antisemitismus ließ Thormaehlen noch sechs Jahre nach Kriegsende erstaunlich freien Lauf). Der Hauptdrahtzieher sei Ernst Morwitz gewesen, der seine schützende Hand bedauerlicherweise auch über Percy Gothein gehalten habe. Obwohl der Meister „schwere Bedenken“ gegen Percy geäußert habe – dem Percy sei nicht zu helfen, habe er gewarnt: „Wenn es mir nicht gelingt, wie soll es Euch gelingen!“ –, sei Morwitz immer wieder für ihn eingetreten und habe ihn schließlich auch noch dazu angeregt, seine Erziehung durch George in Form eines autobiographischen Berichts festzuhalten.

1923, etwa um die gleiche Zeit, als ihn die Polizei in einem Münchner Hotel „mit einem jungen Kohlenträger beim Schlafen erwischt“ habe, sei Gothein in „die Hände und unter den Einfluß“ des Frommel geraten. Die beiden hätten bald überall ihre Spuren hinterlassen, kein Landschulheim sei vor ihnen sicher gewesen. Morwitz habe das immer nur „amüsant“ gefunden und die beiden in Schutz genommen: „’Die leben doch wenigstens’, sagte er.“ George jedoch habe „dieses Treiben und Getriebensein“ entschieden mißbilligt, „namentlich die Ambitionen und Usurpationen, Treibereien und Agitationen jener ‚Ehe-Hälfte’ des Perci, Helbing [d.i. Frommel]. ‚Dieser widerliche Pfaffe, dieser abscheuliche Pfaffe’ war die ständige Schmähung d[es] M[eister]s gegen diesen Burschen.“ Zwar konnte Thormaehlen eine gewisse Bewunderung für das Provokationspotential der Gruppe um Gothein und Frommel nicht verhehlen: „Sie verstanden es wunderbar zu dupieren.“ Aber am Ende habe doch alles nur der Tarnung gedient. Seine Empörung gipfelte in dem Satz: „Den wegen Päderastie festgesetzten Gothein als Opfer des 20. Juli hinzustellen und als Freund des Klaus [Stauffenberg] zu verkünden, ist eines der Bravourstücke dieser Bande.“

Im Juni 1923, wenige Wochen, nachdem sich Gothein und Frommel im Theologischen Seminar der Universität Heidelberg kennengelernt hatten, wollte Gothein dem Meister seinen neuen Freund vorstellen. Auf Seite 162 seiner Erinnerungen heißt es dazu: „Während der tage des noch unentschiedenen ringens, während es noch zweifelhaft war, ob ich Lothar [d.i. Wolfgang Frommel] gewinnen würde, kam der Meister in die stadt [d.i. Heidelberg] und fragte mich nach meinem tun. Als ich ihm nun vom neuen freunde erzählte, sagte er: ‚Mein kind, ich würde es sehr für dich wünschen, wenn dir jetzt endlich etwas gelänge!’ und dann war er meiner bitte nicht abgeneigt, daß ich ihn einmal zu ihm bringen dürfte.“

Das Erstaunliche nun ist, daß über den Besuch selbst kein einziger Satz fällt. Während Gothein sonst jedes noch so kurze Zusammensein mit George nutzt, um ausführlich jede Einzelheit zu schildern, und allem scheinbar Zufälligen eine höhere Bedeutung zu geben versteht, klafft hier eine auffällige Lücke. „Durch diesen besuch kamen wir ein großes stück auf unserer bahn vorwärts“, fährt der Text fort. Dann enden Gotheins Erinnerungen; auf den wenigen verbleibenden Seiten wird berichtet, wie der Lothar sich bemüht und es schließlich schafft, das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Nach der inneren Logik der Gotheinschen Memoiren konnte das Buch nur so enden: Der meisterliche Segen über seiner Freundschaft mit dem jungen Frommel sollte zum Zeichen des Neuen Bundes werden.

Zweifel sind angebracht. Zum einen war George im Juni 1923 bereits deutlich auf Distanz zu Gothein gegangen, zum anderen warfen die Erkundigungen, die er über Frommel eingezogen hatte, kein günstiges Licht auf den linksintellektuellen Schwärmer, der überdies – und das machte ihn in den Augen Georges vollends suspekt – aus einer Familie protestantischer Theologen stammte. Die Zweifel daran, daß Frommel vorgelassen wurde, wachsen, wenn man erfährt, daß er – möglicherweise noch im gleichen Jahr – versuchte, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Der Dichter wohnte damals nicht mehr bei Gundolf, sondern bei Ernst Kantorowicz, der sich oberhalb des Schlosses in der Villa Schwartz am Wolfsbrunnenweg 12 eingemietet hatte. In einem Zeitungsartikel von 1954 – vermutlich aus der „Rhein-Neckar-Zeitung“ –, in dem manche Anekdote über die illustren Gäste dieser bekannten Pension erzählt wird, heißt es am Schluß, auch Stefan George habe die Abgeschiedenheit hier oben sehr geschätzt. Aber „wie konnte er sich den freundlichen Ovationen entziehen, wenn man, um ihn zu sehen, sogar durchs Küchenfenster in das Haus sprang!“ An den Rand dieses Artikels schrieb Wolfgang Frommel „= W.F.“ Die Pointe war weniger amüsant: Kantorowicz erwischte ihn und warf ihn unter Anwendung körperlicher Gewalt hinaus.

Einige Jahre später ist es Frommel mit Hilfe von Ernst Morwitz dann doch noch gelungen, den Meister einmal kurz aus der Nähe zu sehen. Das war schon in Berlin, Regensburger Straße. Morwitz erwartete den Besuch Georges und richtete es Frommel zuliebe so ein, daß dieser scheinbar gerade im Aufbruch begriffen war, als der Meister klingelte. George nahm diesen Versuch, ihn zu überlisten, wohl ziemlich übel. (35 Jahre zuvor hatte er mit Ida Coblenz gebrochen, weil diese versucht hatte, unter der Portiere ihres Zimmers eine „zufällige Begegnung“ mit dem von ihm verachteten Richard Dehmel herbeizuführen.)

Das entscheidende Dokument, aus dem abgeleitet werden kann, daß Frommel nicht vorgelassen wurde, ist sein Brief vom 13. März 1926, der einzige überlieferte Brief Frommels an George. Man darf ihn nicht zitieren – das hat der Frommel-Erbe Manuel Goldschmidt vor Jahren unter Androhung gerichtlicher Schritte anwaltlich untersagen lassen. Am 5. November 2010 las ich ihn auf einem Vortrag in Heidelberg vollständig vor: „Ewig verehrter Meister…“ Das Publikum war entsetzt. Ein nicht mehr ganz junger Mensch, völlig überspannt, von einer gestelzten, heute nicht mehr nachvollziehbaren Unterwürfigkeit, schien keinen anderen Wunsch zu kennen, als vom Meister für sein unbotmäßiges Verhalten – er hatte wieder einmal vergeblich versucht, zu ihm vorzudringen – bestraft zu werden. Dabei habe er doch gar nichts für sich selbst erhofft, sondern nur für seinen Freund Percy, über den der Meister zu Unrecht eine so schlechte Meinung habe, denn alle Schuld liege einzig bei ihm, Frommel. Die Vergeblichkeit spricht aus jeder Zeile: So wie dieser Bittsteller es mit Sicherheit nicht mehr schaffen wird, empfangen zu werden, so deutet andererseits keine einzige Formulierung darauf hin, daß er jemals empfangen worden war. Denn wann, wenn nicht jetzt, hätte er den Meister daran erinnern müssen?

Nach dem Krieg wurden die Karten neu gemischt. Während sich der Kreis nach Georges Tod in alle Himmelsrichtungen zerstreut hatte, war Frommel im Amsterdamer Untergrund eine neue Konzentration und Verjüngung aus dem Geist der Dichtung gelungen. In diesen Jahren scheint, angeregt wohl nicht zuletzt durch das beharrliche Nachfragen seiner holländischen Freunde, die Idee entstanden zu sein, die Lücke in den Gotheinschen Erinnerungen zu schließen und sich durch Schilderung der Begegnung mit George nachträglich legitimieren zu lassen. „Der Dichter. Ein Bericht“, im Herbst 1950 in kleinster Auflage als Handpressendruck erschienen und an die engsten Freunde verteilt, wurde gleichsam zum Gründungsdokument des zweiten, des Frommelschen Freundeskreises.

Am Schluß des Dichterberichts griff Frommel ein Bild auf, das schon Gothein ein Vierteljahrhundert zuvor verwendet hatte. Als Frommel nach dem gemeinsamen Besuch nach Hause gekommen sei, habe der Vater eine merkwürdige Veränderung an seinem Sohn festgestellt und dies mit der Bemerkung quittiert: „Heute ist mir mein ältester Sohn gestorben.“ Übertragen hieß das: Die väterliche Welt, die Welt des beruflichen Fortkommens und der Sorge um den Nachwuchs, hatte der Initiierte an diesem Tag endgültig hinter sich gelassen. Und wie mit dieser Botschaft das Erinnerungswerk Gotheins endete, in dem genau dieser Prozeß der Emanzipation und Loslösung aus der bürgerlichen Welt beschrieben wurde, so endete auch Frommels eigener Bericht – mit dem Dante-Zitat „Incipit vita nova“.

Freunde, die Frommel aus der Zeit vor dem Krieg kannten, wunderten sich nicht wenig, daß er ihnen nie von seinem Besuch bei George erzählt hatte. Im Kreis um Morwitz scheint zwar bekannt gewesen zu sein, daß es zu keiner Begegnung gekommen war, aber Morwitz schwieg sibyllinisch. Um ihn einzubinden, hatte Frommel die kleine Schrift niemand anderem gewidmet als ihm, dem „nächsten Liebsten“ Georges: „Dem großen Ernst / 1933 – 1950 / ‚… Wenn aufrecht bleibt im wind / Von unsrem stamm die unverbrochne treue!’“ Jüngeren Freunden hatte Frommel allerdings noch 1933 zu verstehen gegeben, daß er Zugang zum Meister habe. Wenn er sich tüchtig anstrenge, so erfuhr der vierzehnjähige F. W. Buri im Herbst dieses Jahres, bestehe die Hoffnung, ihn „eines Tages zum Meister bringen zu können“. Er sei ziemlich erleichtert gewesen, schrieb Buri in seinen 2009 postum erschienenen Erinnerungen, als er wenig später hörte, daß der Meister in der Schweiz gestorben sei.

Nach dem Krieg wurde der Dichterbericht zu einem zentralen Text, den keiner je in Frage stellte. Die Aura von Gotheins Aufzeichnungen, von 1951 an im „Castrum Peregrini“ in Auszügen publiziert, erlangte er allerdings nie. Dafür war Frommels Prosa zu literarisch, zu glatt, mit zu vielen Versatzstücken behaftet. Seinen eigentlichen Zweck aber erfüllte der Dichterbericht bis zum Ende: die ungebrochene Kontinuität der geistigen Überlieferung zu beurkunden. Denn auch wenn Frommel nur ein einziges Mal bei George gewesen war, so hatte er doch durch seinen lebenslangen Einsatz für das Werk des Dichters, insbesondere durch seine unermüdliche Suche nach immer neuen Schönen, das ihm bei dieser Begegnung zum Ausdruck gebrachte Vertrauen gerechtfertigt. Er hatte das Erbe fortgeführt. „Bei uns geht es weiter“, lautete die Losung der Amsterdamer Gemeinschaft, die für alle Alt-Georgeaner wie eine freche Kampfansage geklungen haben muß.

Damit komme ich zu meiner Ausgangsfrage zurück: Was ist Nachfolge? „Eines müssen Sie wissen, Frommel“ – so der Kronzeuge Ernst Morwitz nach Frommels eigener Aussage – „was Sie hier mit Ihren Amsterdamer Freunden machen, hat mit dem, was der Dichter machte, gar nichts zu tun.“ Frommel hat dieses auf den ersten Blick vernichtende Diktum gern und mit einem gewissen Stolz kolportiert. Tatsächlich hat er ja bei aller Stilisierung und trotz der teilweise recht kuriosen Bemühungen, sich wie George fotografieren zu lassen, sich wie George zu kleiden, die Punkte zu setzen wie er, den Dichter keineswegs imitiert. Er war kein Schauspieler. Er war Dramaturg. Er hat den Stoff, den er vorfand, genommen und ihn sich und seinen speziellen Interessen so gründlich anverwandelt, daß daraus etwas Neues entstand.

Da, wo für die Orthodoxen der Spaß aufhört, fängt das eigentliche Fragen erst an. Ob Frommel im Juni 1923 Stefan George tatsächlich vorgestellt wurde oder nicht: Fest steht, daß er bis zu Georges Tod im Dezember 1933 an seiner unstillbaren Sehnsucht nach der alles entscheidenden Begegnung mit dem Meister unendlich litt. Später hat er sein ganzes Leben so ausgerichtet, als hätte diese Begegnung stattgefunden, oder im übertragenen Sinn, als sei er von George akzeptiert worden. Denn darum drehte es sich ja: Daß er von George als einer, der dazugehörte, akzeptiert werden wollte. Weil es dazu nicht kam, weil ihm dieses eine entscheidende Zeugnis fehlte, wurde er in seiner Not umso produktiver. Die nachträgliche Beglaubigung seines Tuns durch George ergab sich dann irgendwann wie von selbst. Frommel brauchte eigentlich gar nicht mehr viel zu erfinden, um die Begegnung von 1923 doch noch stattfinden zu lassen.

Durch George legitimiert zu sein, entsprach Frommels gewachsenem Selbstverständnis. Andererseits unterstreicht seine Erfindung der Begegnung, wie wichtig es für ihn war, sich von ihm herleiten zu können. Aber je authentischer Frommel auftrat, desto mehr fühlten sich die einstigen Tischgenossen Georges bedroht. Die Verleumdung folgte auf dem Fuß. Soziologisch gesprochen, in der Terminologie Max Webers, haben wir es hier mit dem Auseinandertreten von „Tradition“ und „Charisma“ zu tun. Während sich die Gralshüter um Boehringer auf das Wort Georges als oberstes Gesetz beriefen – autos epha, er selbst hat es gesagt –, hielt sich Frommel immer die Option offen, zu fragen, was George wohl zu diesem oder jenem gesagt hätte. Irgendwann war er so tief in den Georgeschen Kosmos eingedrungen, daß zwischen Original und Kopie nicht mehr zu unterscheiden war, daß die Grenze zwischen ihm und George verschwamm, seine und die Autorität Georges ein und dieselbe wurden. Indem er so an die Stelle Georges rückte, zugleich aber dafür sorgte, daß bei den Zusammenkünften des Freundeskreises immer ein leerer Stuhl für den Meister blieb, wurde er für seine Freunde zum Träger des Charisma.

Daß Frommel umso authentischer wirkte, je näher er George kam, je mehr er eine Einheit mit seinem Meister zu bilden schien, erscheint nur auf den ersten Blick paradox. Denn am Ende verfolgten beide ein und dasselbe Ziel: In einer sich auflösenden, entleerten Welt das Feuer der Überlieferung am Brennen zu halten und die jungen Männer, die man sich als Gehilfen erkor, selber zum Glühen zu bringen, „wandelnde Öfen“ aus ihnen zu machen, wie Friedrich Gundolf einmal schrieb, die sich freuten, „Brennstoff zu sein für die höhere Flamme“. Weil er sich in diesem Punkt ganz und gar eins wußte mit seinem Meister, war Wolfgang Frommel am Ende beides: legitimer Erbe und Meister mit eigenem Kreis.

Tijd & Eeuwigheid

Tijd & Eeuwigheid

Slaeurhoff, George, Rilke en Raffael

Door Bert Treffers

Tijd & Eeuwigheid, misschien zijn het alleen maar woorden. En toch weten we ongeveer waar het over gaat. Het zal meteemn duidelijk zijn, dat ik niet filosofisch geschoold ben. Toch heb ook ik ermee te maken gehad. Heimelijk denk ik dat alle kunmst, of het nu beeldende kunst is, of muziek of poezie, het is alles een jongleren met duur, met kortstindigheid, met leven en dood. Misschien is kunst ook een bezweringsritueel dat ons heel even een volkomen misplaatst gevoel van eeuwigheid voortovert. In het kunstwerk wordt het verlopen van tijd, het tikken van de klok, heel even opgeheven; maar day kan alleen omdat er een geraffineerd spel wordt gespeeld met onze beleving ervan. Lees maar, kijk maar: een enkele keer lukt het zelfs het tikken van de klok stop te zetten terwijl buiten ons de klok doortikt. Het leven is kort en de kunst duurt lang juist omdat zij op vaak pathetische wijze zich aan de tijd onttrekt, of liever probeert te onttrekken.

Al jaren lang achtervolgt mij een gedicht van Li Tai Pe. Ik ken het alleen in niet eens een vertaling, maar een Nachdichtung van de bijna vergeten schrijver Klabund. Het staat in een boekje dat ik mee wil sturen naar de toekomst. Het is een deeltje uit de InselBücherei, en wel nr. 201. Mijn exemplaar is de zoveelste druk: het is een exemplaar uit het duizendtal tussen 91. en 97 en verscheen in 1959. Daar lees ik een wonderlijke zin:

Die Wimpern heb ich auf  – und bin erwacht

Ik sla mijn ogen op – en ben wakker geworden. Als je erover nadenkt is dat eigenlijk een rare regel: de ik van het gedicht slaat z’n wimpers op, doet z’n ogen open en is wakker geworden.  

En verder op wordt het nog vreemder:

Erschüttert bin ich: wenn ich weinen geh

Is die man nu van de kaart omdat hij huilen gaat? Of is hij van de kaart als hij gaat huilen? Wat is hier oorzaak en gevolg? Zijn het twee fasen uit een zelfde ontwikkeling? Wat is, zo vraag je je af, het oorzakelijk verband tussen die twee. En ook wat is de samenhang van die twee momenten. Die regel blijkt bij nadere beschouwing heel wat minder eenvoudig dan ze op he eerste gezicht lijkt. En toch is het die rationele onhandigheid die de charme van het gedicht uitmaakt. De ‘ik’ constateert dat hij van de kaart is, merkt dat hij op het punt staat in tranen uit te barsten, en meteen krijgen we te horen dat hij dat eigenlijk al doet. En dan? Hij schenkt z’n glas vol

Ich gieß den Becher voll,

en meteen trillen z’n lippen. Alleen daarna, na al die verschillende stadia van een handeling die niet als zodanig wordt gepresenteerd, gaat die ik plotseling werkelijk iets doen: hij gaat zingen. En ook hier wordt dat op bijna afstandelijke wijze alleen maar medegedeeld. Hij zegt:

Ich singe laut

Enkel nu sluipt tijd het gedicht binnen. Pas nu is er sprake van duur, van een handeling die zich afspeelt in de tijd:

Ich singe laut bis Mond im Blauen blinkt.                              

En dat woordje bis is onheilspellend en is dat vooral omdat meteen daarna, in de laatste regel van het gedicht die zingende ik verdwijnt. En niet alleen hij verdwijnt, alles verdwijnt: Ich singe laut                                                                                 

En dan:

Vergesse Mond und Lied und Li-tai-pe.

Is het een goed gedicht? Ik weet het niet, maar ik denk van wel. Want juist doordat die ik, die als laatste met naam en toenaam genoemde Li-tai-pe verdwijnt, blijft hij als een echo nahangen. Hij blijft nabestaan juist omdat hij er eigenlijk niet meer is. Is hij er eigenlijk ooit geweest? Dat is – voor mij-  kunst. Kunst roept iets op dat niet meer bestaat of misschien nooit bestaan heeft: maar juist daardoor bestaat voor altijd. En zo zijn we automatisch terecht gekomen bij het thema van vanavond: tijd. 

Ik ben geen filosoof, maar gewoon een kunsthistoricus waar het mijn vak betreft. Vraag mij niet wat dit inhoudt: dat doet in het geheel niet ter zake. Maar dat betekent dat ik altijd te maken heb gehad met iets dat ik niet begrijp: tijd. En dus met de noodzakelijkheid van kunst. Laat ik het maar met een versleten metafoor zeggen: kunst is een spiegel, kunst is een ding dat iets weerspiegeld dat in ons zelf zit. En dat kan een gevoel zijn, een beleving. Dat betekent ook dat we kunst altijd laten praten over kunst en kunstenaar. Dat is niet enkel een romantische idee, maar een idee waar ook de romantiek mee speelde in eenspel op leven en dood. 

In de bundel verhalen van Slauerhoff waarvan ik de achtste druk bezit, staat een verhaal getiteld

Het eind van het lied.

Zoals altijd is ook in dit verhaal de hoofdfiguur op reis; en dat op reis zijn, dat onderweg zijn –of moet ik zeggen:dat tussen sacraal en profaan pelgrimeren-  wordt meteen ook een reis in de tijd. Maar de reis voert terug in het verleden. Op die manier wordt ook een toekomst bezworen die niet nader omschreven wordt. En die toekomst is een buiten de tijd gelegen toestand, een geestelijke staat. Het gaat allemaal om een vrouw om wie, en ik citeer: de hoofdfiguur aan de drank is gegaan. Ze zou ergens ineen klooster zijn zo krijgt hij te horen, en zal daar nooit meer weggaan. Dan krijgt hij tekens, signalen, die hij maar, ik zeg: maar, interpreteert als indicaties dat hij op weg moet gaan en ook een vermoeden welke die weg is. De banaliteit van het gaan en het mysterie van die weg zelf blijken op wonderlijke wijze in elkaar verstrikt. Natuurlijk komt hij weer een vrouw tegen met wie hij zwemt ergens i een meer en die hem – het kan niet uitblijven – verlaat. Vlak voordat zij weg gaat, zingt ze…

Hij reist steeds verder. Het is niet de bedoeling hier het hele verhaal na te vertellen. Uiteraard gaat ook hij naar ‘Griekenland’, dat is immers de bakermat van zijn beschaving en daarzal nog wel iets gebleven zijn van het ooit geopenbaarde raadsel. Hij krijgt te horen dat daar ergens een oninterressant klooster en meteen weet hij dat hij daar naar toe moet gaan. Hij wil er naar binnen tegen betaling, maar om geld gaat het hier niet. Dan herinnert hij zich dat hij een beeldje bij zich heeft: een ding dus, – en als hij dat ophoudt, is hij binen en wel meteen, ‘terstond’,

Terstond vlogen de beide poortvleugels open,

Ik stond in een gang met spitsgewelf, werd bij de hand geleid, en steeds dieper bukkend, kwam ik in een diep, laag vertrek, waar een monnik aan een oude tafel zat, het gelaat door een kap bedekt. Hij heette mij welkom, zwijgend, wees zwijgend een zetel aan, stiet toen met een stok tegen de zoldering.

Misschien lijkt dit verhaal vandaag de dag te gedateerd, misschien ook een beetje te fantastisch, te laat- of post-romantisch en toch is wat er nu volgt fascinerend en vanavond voor ons van groot belang. Ik heb Frans gevraagd dit fragment vanavond hier te lezen. Ik citeer uit het bekende bundeltje Schuim en as, uit de nimmer dralend reeks, achtste druk, 1963, dat ik al jaren koester, en wel de passage op pagina 49 tot 50:

Langzaam zag ik meer en meer door de rijen der wachtenden heen. Toen viel mij met selle doodsschrik in dat zij daar stonden als voor een graflegging. Het was als vroeger, daarginds, ’s nachts bij een kuil die zwart in de sneeuwvelden gaapte.

Een graflegging. Ik zag een kuilgroeve, geen spade. Was het een afschuwlijk ritueel dat de veroordeelde eerst zelf zijn graf met de handen openwoelde? Was dit de foltering, dit machtelooas aanzien? Maar wie was het? Ze waren allen gelijk. Was ik het zelf? Maar was ik niet onzichtbaar voor hen? Of wisten ze van mijn aanwezigheid en wachten ze alleen tot ik mij door een kreet zelf verraden zou?Toen ik dit bedacht, voelde ik een schreeuw in mijn keel groeien, maar terwijl ik voelde dat ik mij verraden ging, begon het daarbeneden bij een der monniken, ik weet niet welke. Laag en zacht en langzaam, in slepende deining, plantte het gezang zich voort, onaards, ongehoord. Soms leek het in de verte op een ontaarde Orfische ode uit de schemerige tijden, toen de mysteriën ver in Rusland drongen en daar verloren gingen. Eindelijk – de traagheid werd onduldbaar – was het uiterste bereikt, toen sloeg de zang om, golfde op in een zinsverwarrende snelheid en achter een wal van geluid viel een dof schot uit het midden van de wand, waar een engel een bazuin stak, plomp als een bronzen vuurmond.

En de aarde opende zich – alsof op het weke donker in het midden een grote bloedvlek snel en grillig zich uitbreidde, toen een gat, golvend rond als de mond van een oerdier. Een zwarte harenkrans dreef, en daaronder een gelaat (werdt Gij weer geboren, maar niet uit de lichtgroen vliedende zee, neen, uit de zwarte aarde van deze tijden?) – haar gelaat, hoe schoon, hoe gefolterd! Haar grote ogen. Troebel en gespierd in deze baringsangst.

Weer viel een schot, de litanie steeg tot een wanhoopskreet, een doodsgeschrei; biojna met een schok kwamen haar schouders vrij en haar borst, met aarde bedekt maar dadelijk smetteloos blank als door een wervelwind. Het gezang vlaagde onder de gewelven. ‘Sneller!’ smeekte zij nu zelve met vertrokken mond; haar armen kwamen vrij, eerst vlak en machteloos aan de grond nog gehecht, maar duizelingwekend joeg het gezang nu en zij verrees. Ik wilde instemmen, maar lucht,muen, bogen stonden in rilling en mij stem werd in mij teruggdrongen, zodat ik mijn lippen moest samenpersen om niet te stikken. Nu was zij bloot tot haar middel, maar alsof zij het minderen van de macht van het verlossingslied voelde komen, steunde zij zich op haar handen en wrong zich in de afgrijselijke greep der aarde. Hoe moest haar nog bedolven licaam niet lijden! Ik stiet hese klanken uit, het gezang dreunde door mijn lichaam dat bezweek. Nog kwam zij hoger. De monken wrongen zich, grepen elkaar, omklemden kruisen, om adem, om kracht. Bijna kon zij zch buigen. Maar het was het einde, het geluid stortte ineen als een ondermijnd paleis, de meesten vielen ook, enkelen hielden nog aan als de laatste zuilen. Zij zonk. De handen weerstreefden nog. Het hoofd hing neer op haar schouder.

Toen sprong ik , was bij haar, wilde een reddingsboei met mijn armen vormen om haar drijvend te houden boven de zwarte dood.

Zij fluisterde met halfopen lippen: ‘Geen waagde zich zover. Maar het is toch vegeefs. Laat los.’

Ik schreeuwde: ‘Laat mij méé ondergaan!’

‘Daarvoor is het nogte vroeg. Later, als je de weg nog weet. Ga nu, het laatste mag je niet zien.’

Ik bleef vasthouden, maar zwarte zware lichamen vielen over mij heen. Ik verlor mijn bezinning.

 

‘Ik verloor mijn bezinning?…

In de zee van litanieën ontstaat iets, ontstaat ‘iemand’; een demonische godin rijst op. Maar het fragment is proza, het beschrijft iets, maar als lezer blijven we op een afstand. Het gezang horen we niet, het wordt ok niet opgeroepen, we beleven het pas uit de tweede hand. Zou hetniet prachtig zijn als die zang waarvan Slauerhoff bericht, ook daadwerkelijk kon klinken, zou het niet mooi zijn als die doormiddel van kunst en in kunst geïmiteerd werd?  Dan zou door middel van die fictie de lezer daadwerkelijk kunnen participeren in het bezweringsritueel zelf. Door middel van  een geslaagde manipulatie van ritme, vamn tijd, zou hij daadwerkelijk even de eeuwigheid kunnen voelen. Dan zouden we aan de tijd tijdloosheid en eeuwigheid ervaren en in feite kunnen beleven wat in het gedicht van Li-tai-pe ontbreekt: de overgang van de ene staat in de andere: de overgang van gewone dagelijksheid, in…: vooruit maar, vervoering, of lieverf, waarom niet, extase. Maar een extase die ook rationeel wordt ervaren. Kunst als een vorm van magie dus.

En inderdaad, er zijn kunstwerken, er zijn gedichten die ons dichter bij die vorm van beleving brengen juist omdat we door de klank zelf, door het ritme, door de gehanteerde beelden, opgenomen lijken te worden in een stroom die uitvloeit in een verschijning. Een van de mooiste gedichteh die dat tenminste proberen te bewerkstelligen, is het vierde gedicht uit der stern des bundes van Stefan George, dat vescheen in 1914. De eerste zin al, tilt de lezer op, en alles wat er in het gedicht volgt is de consequentie van die inzet. De beweging, de golven van de rivier, van het water, de stroom van de zee, tillen op en voeren mee. En brengen  letterlijk in vevoering. En die vervoering mondt uit in een verschijning die wij nu binnen de tijd van het gedicht ook daadwerkelijk zien en, waarom niet, ook voelen. En dat moment is nu, dankzij het gedicht herhaalbaar. Het is een vereeuwigde ervaring die altijd voorbij is en steeds weer herhaald kan worden.  

Ik heb Lars gevraagd dit gedicht te lezen. Let vooral op het begin: Der strom geht hoch en dat simpele woord hoch, doet het hem. De intonatie ervan tilt al, het vers gaat daar letterlijk omhoog en daar ook begint de beweging die ons meesleurt:  

                  

Der strom geht hoch .. da folgt dies wilde herz

Worin ein brand sich wälzt von tausendjahren

Den es verbreiten möchte in licht und tiefe

Und nicht entladen kann – den spiegelungen.

Es seufzt den wellen nach als soviel wesen

Die ihm entrinnen und entronnen sind

Und weiss nicht rat eh die paar tropfen bluts

Verströmt sind in die endlos laute fülle ..

Da tauchst du Gott vor mir empor ans land

Dass ich von dir ergriffen dich nur schaue:

Dein erdenleib dies enge heiligtum

Die spanne kaum für eines arms umfassen

Fängt alle sternenflüchtigen gedanken

Du bannt mich in den tag für den ich bin.

 

Prachtig, dat begin en die twee banale puntjes die er onmiddellijk op volgen! De inzet wordt aanzet.  Het is eigenlijk iets als een introïtus, dit begin, deze aanhef van een litanie die uitvleoit in ee bevestigde werkelijkheid van de dag, Tegelijk is die aanzet een belevenis: dwz de neerslag daarvan en tengevolge van het alweer bijna banale ritme van de eerste woorden ook een begin van – hernieuwd beleven op ogenschijnlijk hoger niveau, maar toch verankerd in de grond. Even lijkt het erop dat het gat tussen de mededelingen van Li-Tai-pe wordt overbrugd; en ook het prozafragment van Slauerhoff wordt hier omgezet in een taal die tot middel wordt van de beleving zelf endaardoor ook mee-beleefd kan worden door de lezer.

Waar loopt het alles op uit? Op het wonder van de verschijning, op het wonder van de vervulling: Hier in het gedicht van George is het niet een mythische godin van vlees en bloed, een nieuwe en tegelijk eeuwen oude Venus, die op duikt, een andere god , maar iets als een God, God zelf!

Wat Slaeurhoff niet lukt, lukt George wel. Maar is dat echt zo? De God die hier in het gedicht bezworen wordt komt uit de zee, komt voort uit de materie, is geen beeldhouwwerk, geen kusntwerk, geen visioen: maar realiteit. Maar voor wie? Doet het niet denken aan die beroemde episode uit het leven van Franciscus zoals die wordt beschreven door Bonaventura in zijn leven van Franciscus, de zogenaamde Grote Legende? Toen Franciscus in zijn stigmatisatie aan Christus gelijk werd, werd hij dat niet in steen, als een beeldhouwwerk, zo schrijft zijn belangrijkste biograaf uit de dertiende eeuw, Bonaventura, maar: in vlees en bloed.  

 Is het niet allemaal sublieme illusie? Is het visioen echt zo sterk, echt zo reëel en navoltrekbaar? Is het moment, het ogenblik, de verschijning in de tijd echt tot in eeuwigheid herhaalbaar? Of is het genoeg dat het geprobeerd is, en dat het alleen mar eeuwig is, omdat het ten minste één keer geprobeerd is dat te bewerkstelligen? Doet het niet denken aan de steen die men in de vijver werpt en er daardoor voor eens en voor altijd in geworpen wordt en is? Ik denk aan een vijver. Ik denk aan een steen. Die vijver is er. Die steen is er. Neem die steen in je hand. Gooi hem in die vijver. Dan vanuit het middelpunt, rond de plek waar de steen in het water valt, komen kringen op die vanuit het midden rondom uitwaaieren. Als het zou lukken dat vast te leggen in een beeld, of in woord, zou dan niet tijd en eeuwigheid niet alleen samenvallen maar ook naast elkaar blijven bestaan? Een handeling die eeuwig duurt? Zou het mogelijk zijn de tijd eeuwig te verstillen en daarmee beide overtroeven? Dan zou je misschien wel tot in alle eeuwigheid die steen in het water blijven gooien. Alle eeuwigheid zou in het water blijven vallen. Tot in alle eeuwigheid zouden die kringen ontstaan. Niemand zwemt twee keer in hetzelfde water van de rivier?

Ook in het gedicht van George lukt het niet echt. Het loopt it op de veschijning; het traject erheen verloopt goed. De beweging van het ritme beweegt ons. En toch is er iets dat uiteindelijk niet bevredigt. De tijd wordt onvoildoende gemanipuleerd om ons ook echt de eeuwigheid van de eenmalige verschijning te doen beleven als een altijd weer herhaalbaar wonder. Misschien is er maar één gedicht dat in die manipulatie zo ver gaat, dat we echt dat samenvallen van beide uitersten zien als in één moment vereeuwigd, als in één ding samegevat en weerspiegeld. Er is dat bijzondere gedicht, die evergreen van Rilke, dat gedicht Der Schwan:

DIESE Mühsal, durch noch Ungetanes

schwer und wie gebunden hinzugehen,

gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.

 

Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen

jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,

seinem ängstlichen Sich-Niederlassen -:

 

in die Wasser, die ihn sanft empfangen

und die sich, wie glücklich und vergangen,

unter ihm zurückziehn, Flut um Flut;

während er unendlich still und sicher

immer mündiger und königlicher

und gelassener zu ziehn geruht.

Let wel: eerst wordt dat gaan van de zwaan nog genoemd: ungeschaffen, nog niet gedaan, nog niet gerealiseerd, nog niet gemaakt. Elke dichter is een zwaan. Denk aan de zwanenzang. Op het eind van z’n leven lukt het de echte dichter misschien tenminste één keer een echt gedicht te maken, een gedicht dat zo volmaakt is, dat hij daarna niets beters meer kan maken en dood gaat. Ook Rilke is een zwaan. Als de zwaan nog één keer op de grond komt, in het water neer strijkt, blijkt hij daar zelfs zacht opgenomen te worden. Hij vindt er zijn eigenlijke element en wordt steeds zekerder van zichzelf en ook steeds meer zichzelf: zwaander dan zwaan wordt hij nu en mondig! Koninklijk, zelfs. Hij vaart uit in het water en zijn uitvaart brengt hem thuis. Hij zingt nog één keer en voor altijd en zijn lied zal eeuwig blijven naklinken. Of om het heel traditioneel te zeggen, of, als u dat lieve is, heel ouderwets: hemel en aarde raken elkaar en geest en ding versmelten voor altijd en overwinnen zo voor altijd de tijd en ook de eewigheid. Kunst die dat in een formule kan bezweren, is, ik geef ruiterlijk toe: voor mij, superieure kunst.Dat is ook haar werkelijke bestaansreden. Kunst moet. Maar dat zijn woorden.

Veel belangrijker is het beeld, dat in ons ontstaat. Door het gedicht van Rilke worden alle zwanen anders en herauten van de eeuwigheid. Als U vanavond nog door het Vondelpark loopt en U ziet daar een zwaan, dan bent U ok niet meer degene die U was. Met dit gedicht heeft Rilke iets gemaakt dat – inderdaad – tijdloos is. Hij is als Raffael, de schilder, die datzelfde is gelukt in een van zijn laatste schilderijen, in, inderdaad dus, zijn zwanenzang, te weten de Transfiguratie nu in het Vaticaan. Daar is een figuur te zien die Slauerhoff  overtroeft, George passeert en misschien zelfs dat gedicht van Rilke overtreft omdat hij een figuur schildert die uit de aarde opkomt, en tussen hemel en aarde altijd bewogen blijft ontstaan in een beweging die nooit meer ophoudt en die is vastgelegd als een tastbaar beel dat ons altijd voor ogen staat e dat niemand die het echt gezien heeft nooit meer zal kunnen vergeten. U heeft er de hele tijd naar gekeken. Maar heeft U het ook gezien? Met deze door Raffael geschilderde figuur wil ik eindigen. En, ziet U wel dat kunst moet? En wie zegt dat dat niet het geval is, deugt niet. Een ogenblik vol eeuwigheid kan geen kwaad. En de plek waar U nu bent, hier in het Castrum Peregrini is daar uiterst geschikt voor. Laat het U nooit ontnemen.

Deze tekst werdt door Bert Treffer geschreven voor en gelezen tijdens de n8 (Museumnacht Amsterdam) bij Castrum Peregrini op 6 november 2010.

Minusio

Am 1. Oktober 1931 traf Stefan George in Minusio ein. Er sollte das Bauerndorf bei Locarno nur noch für wenige Monate verlassen, bevor er dort Ende 1933 starb. Bisher wusste man nur wenig über diese letzte Lebensphase Georges. Clotilde Schlayer berichtet genau von ihr. Fast täglich schrieb sie ihr Erleben Georges in Briefen nieder, aus denen sie nach ihrer Emigration eine Chronik des Lebens im Tessin komponierte. Dieser »Minusio-Roman« stellt dem Leser den alten Dichter in seiner Strickjacke vor Augen, er dokumentiert Alltägliches und Weltbewegendes: Georges Herrschaftswille hatte sich auf das Private zurückgezogen, die Gespräche im eng gezogenen Kreis der verbliebenen Freunde befassen sich aber auch mit den kritischen Themen der Zeit und des »Kreises«, etwa dem Nationalsozialismus und der Judenfeindschaft. 

Minusio Stefan George (1868-1933) ist einer der bedeutendsten und einflußreichsten Lyriker deutscher Sprache. Er übersetzte die großen europäischen Autoren und öffnete die deutsche Lyrik der europäischen Moderne. Der Wille, eine »Kunst für die Kunst« zu begründen und mit Werk und Leben dafür einzutreten, machte ihn bald zum Zentrum eines »Kreises« von Freunden, die mit ihm die deutsche Lyrik erneuern wollten. Dieser Kreis der »Jünger« um den »Meister« hatte einen legendären, geheimnisvollen Ruf, er wirkte noch weit in das Deutschland der Nachkriegszeit hinein.
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Die Autorin

Clotilde Schlayer (1900-2004), promovierte Hispanistin, übersetzte früh Gedichte Georges in ihre spanische Muttersprache, verbrachte dann einen Großteil seiner letzten Lebensjahre gemeinsam mit dem Dichter in Minusio bei Locarno und berichtete in täglichen Briefen aus dieser Zeit. Nach ihrer Emigration in die USA collagierte sie aus ausgewählten Passagen die Chronik dieser Tage.

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Die Herausgeber

Maik Bozza, geb. 1978, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stefan George-Archiv.

Ute Oelmann, geb. 1949, lehrte in Bristol, Tübingen, Gießen und Stuttgart. Seit 1990 Leiterin des Stefan George-Archivs. Vorstandsmitglied der Stiftung Castrum Peregrini. Editorin bei der kritischen George-Ausgabe sowie Mitherausgeberin des George-Jahrbuchs.

Stefan George Redux

Vrijdag, 10 december, 20 uur

Met Ute Oelmann, Thomas Karlauf, Ulrich Raulff

Opperspreekstalmeester: Joachim Umlauf

Voertaal: Duits
Entrée: 7,- euro, gereduceerd 5,- euro , met GND-jaarkaart gratis.

De avond wordt georganiseerd in samenwerking met het Genootschap Nederland-Duitsland (GND).

De zevende aflevering uit onze Redux Reeks die het gedachtegoed van iconen uit het verleden in het leven en werk van de gespreksgasten belicht. Het Motto van de avond en vertrekpunt van het gesprek is `Und Herr der zukunft wer sich wandeln kann’,  uit Stefan Georges gedicht Der Krieg.

eilmeldung:

Thomas Karlauf zal helaas niet aanwezig kunnen zijn. Vanwegen winterse weersomstandigheden worden vluchten vanuit luchthaven Tegel Berlijn gecancelled. De Stefan George Redux gaat gewoon door met Ute Oelmann, Maik Bozza, Ulrich Raulff en Joachim Umlauf.

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Vrijdag, 10 december, 18.30 uur: Stefan George for beginners

Van 1951 - 2006 het logo van Castrum Peregrini. Bewerking van Jan Robert Leegte, 2009.Voorafgaand aan de Stefan George Redux biedt Ute Oelmann voor geïnteresseerden een inleiding aan in het leven en werk van deze Duitse dichter die in Nederland vrij onbekend is maar in Duitsland een revival beleeft.  Maik Bozza stelt vervolgens de recente uitgaven uit publicatiereeks Castrum Peregrini – Neue Folge voor die sinds 2008 bij Wallstein Verlag Göttingen verscheint.

Die Redux Abende bei Castrum Peregini diesmal in Zusammenarbeit mit GND versuchen das Gedankengut von Klassikern auf Ihre Relevanz in der Gegenwart zu prüfen. Nach Abenden über Spinoza, Hannah Arendt, Elias Canetti und Georg Büchner geht es nun um den deutschen Dichter Stefan George, 1968-1933. Stefan George erlebte in den letzten Jahren ein Come-back im deutschen Feuilleton und beim lesenden Publikum. Dabei hat nicht zuletzt auch die jahrelange Publikationstätigkeit von Castrum Peregrini eine Rolle >gespielt. Mit der bahnbrechenden Biographie Stefan Georges hat Thomas Karlauf (Die Entdeckung des Charisma, 2007) die Debatte neu belebt. Ute Oelmann, Leiterin des Stefan George Archivs in Stuttgart, hat in zahllosen Publikationen Leben und Werk Stefan Georges und des Georgekreises beleuchtet und besorgt die kritische Neuausgabe seiner Werke. Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs und Schiller Nationalmuseums in Marbach veröffentlichte 2009 seine preisgekrönte Studie”Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben”. Seine Wirkungsgeschichte setzt an, wo die Biographie Karlaufs endet: beim Tod Stefan Georges. Die Gesprächsteilnehmer beginnen mit je einer kurzen Reflexion über das Zitat `Und Herr der zukunft wer sich wandeln kann und gehen dann unter Leitung von Joachim Umlauf, Direktor des Goetheinstituts Paris, miteinander und dem Publikum ins Gespräch.

Kreis ohne Meister

Wolfgang Frommel, de oprichter van Castrum Peregrini, heeft Stefan George waarschijnlijk nooit ontmoet. Toch heeft hij zijn leven in de dienst gesteld van zijn gedachtengoed en dichtkunst. Daar is zijn vriendschap met Percy Gothein, lid van ‘Der Georgekreis’, zeker debet aan, maar ongetwijfeld ook de dichtkunst, de Aura en het mythische wereldbeeld van George, dat bij Frommels eigen wezen paste.

Op die manier stond George ook centraal bij de groep onderduikers rond Gisèle en Wolfgang Frommel op Herengracht 401 en heeft George tot in het recente verleden een belangrijke rol in het leven van de Castrum Peregrini vrienden gespeeld. Castrum Peregrini was maar één van een handvol groeperingen in de hele wereld waarin George ook na zijn dood verder ‘leefde’.

Aan dit ‘naleven’ heeft Ulrich Raulff, voormalig chef cultuur van de Frankfurter Allgemeine Zeitung en Süddeutsche Zeitung, nu directeur van het Deutsche Literaturarchiv und Schillernationalmuseum in Marbach, een imposant boek gewijd, getitelt ‘Kreis ohne Meister. Das Nachleben Stefan Georges’. Raulff begint waar Thomas Karlauf met zijn biografie ´Stefan George. Die Entdeckung des Charisma´eindigt: met de dood van Stefan George in 1933 en de aanslag op Hitler door Stauffenberg. In het ‘Nachleben’ kom je niet om Castrum Peregrini heen en Ulrich Raulff vermeldt niet zonder kritiek de rol van Wolfgang Frommel en Manuel Goldschmidt. Wij verheugen ons het gesprek met Ulrich Raulff aan te kunnen gaan tijdens de Stefan George Redux op 10 december bij Castrum Peregrini.

Met dank aan Manfred Koch, Professor voor duitse literatuur in Basel, publiceren wij in het vervolg zijn recensie van ‘Kreis ohne Meister’, eerder gepubliceerd in Stefan George Jahrbuch, Bingen 2010.

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Die Apostel des toten Dichters

Ulrich Raulffs grandiose Erzählung vom Zerfall des George-Kreises

Wenige Monate nach dem Tod Stefan Georges am 4. Dez. 1933 hat sein Erbe und Nachlassverwalter Robert Boehringer eine traurige Vision. „In der vorletzten Nacht träumte ich der Meister lebe und ich war glücklich, dass wir ihn über unsere Sorgen befragen konnten. Aber er wollte nichts davon wissen.“ Den Jüngern Christi war laut Matthäus-Evangelium der Auferstandene erschienen und hatte ihnen seinen Beistand für ihr Missionswerk zugesichert: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Einen ähnlichen Trost hätte sich wohl auch Boehringer, der Petrus unter den George-Aposteln, von seinem nächtlichen Besucher gewünscht. Doch der Meister weist ihn ab – ein Schreckbild, das, wie unschwer zu erkennen ist, dem traumatischen Verlassenheitsgefühl des Träumenden entspringt. Selbst dieser treueste George-Anhänger ahnte insgeheim, dass mit dem Abgang des Dichtergottes auch die auf ihn gegründete Kunstreligion zum Untergang verurteilt sein würde.

So kam es denn auch. Es handelte sich allerdings um einen fulminanten (und insofern georgewürdigen) Untergang von langer Dauer und enormer historischer Tragweite. Denn die Gemeinde verlief sich ja nicht einfach, ihre Religion erlosch nicht umstandslos mit dem Verlust des spirituellen Zentrums. Vielmehr entbrannte ein mehr als dreissigjähriger Kampf um Georges Erbe, der – folgt man der glänzenden Darstellung, die Ulrich Raulff ihm jetzt gewidmet hat – eines der aufregendsten Kapitel der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts bildet. Verfeindete Gruppen von Georgeanern versuchten sich an dem schwierigen Projekt der Bewahrung und wirkungsvollen Weitergabe eines Charisma, dessen Träger nicht mehr zur Verfügung stand. Was sie zuletzt erreichten, war das genaue Gegenteil: „Auf paradoxe Weise hat der Gedächtniskult, den George und die Seinen schon zu Lebzeiten des Meisters praktizierten und der nach dessen Tod zum gemeinsamen Verhaltensmuster werden sollte, am Ende zur fast vollständigen Auslöschung der Erinnerung geführt – jedenfalls jenseits der Anthologien, der Berufsgermanistik und kleiner, verschworener Kreise von Anhängern und Kindern von solchen.“ Das ist nach Raulff definitiv seit 1968 der Fall.

Am Anfang des Endes stand ein verhängnisvolles Taktieren des Meisters selbst. George wich den wachsenden Spannungen zwischen NS-Sympathisanten und Juden im Kreis durch Tabuisierung der Aktualität aus. Das vollkommene Schweigen zum tagespolitischen Geschehen sollte die Einheit der Gemeinde sichern. Festlegen liess er sich nicht. Sein Reich war nicht von dieser Welt, sollte aber doch, wie die messianische Rhetorik nahelegte, irgendwie über sie kommen; daraus durfte jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Dank der Unbestimmtheit von Georges „Zwei-Reiche-Lehre“ konnten sich nach seinem Tod Völkische und Regimegegner gleichermassen auf ihn berufen. Das führte zu den bekannten Erstarrungen der George-Bewertung nach 1945: „rituelle Austreibung“ vs. „zwanghafte Rettung“, wie Raulff es nennt. Bis heute steht dem stereotypen Vorwurf „Wegbereiter des Faschismus“ der ebenso stereotype Verweis auf die geistige George-Kindschaft des Hitler-Attentäters Claus von Stauffenberg gegenüber.

„Man wird sehr skeptisch gegenüber der Wünschbarkeit eines Nachlebens des ‚Kreises’“, notiert der Historiker Ernst Kantorowicz, einer der begabtesten George-Jünger, 1951 im kalifornischen Exil. „Nachleben“ meint hier, wie im Untertitel von Raulffs Buch, die Kontinuität einer Lebensform. George blieb für die Ausgewanderten wie für die in Deutschland Verbliebenen ein Dichter, der nicht einfach gelesen, sondern liturgisch begangen wurde, in Gedächtnisfeiern, in denen die Beteiligten sein Wort, sein Bild, seine Reliquien gleich Sakramenten empfingen, um bis in die Niederungen des Alltags hinein ihr Leben daran auszurichten. Nur gab es jetzt, nach der Zersprengung des Kreises durch Nationalsozialismus und Krieg, über Europa und Amerika verstreute Kolonien, die emsig George-Gedächtnisbücher produzierten, um sich als die wahren Erben zu empfehlen. Was Kantorowicz abstiess, war die „versteinerte Orthodoxie“ der meisten dieser Zirkel. Er selbst schwor jedoch, wie Raulff in einem der eindrucksvollsten Kapitel zeigt, George nicht einfach ab, sondern wurde zum reflektierten Georgeaner. Seinen früheren Glauben an die Heiligkeit eines Künstlerstaats machte er zum ideengeschichtlichen Forschungsprojekt. Kantorowicz’ Spätwerk kreist um die Frage, wie auch in der Moderne die Staatsgewalt durch „die Anwendung theologischer Sprache auf weltliche Institutionen“ den Anschein von Göttlichkeit gewinnen konnte: „Von Christus zu Fiscus“.

Und dennoch konnten Georgeaner noch einiges bewegen. Der Kreis war ja nie ein reiner Dichterzirkel gewesen, sondern immer ein Orden von „geistigen Menschen“, die in den verschiedensten Bereichen – Wissenschaft, Kunst, Politik, Militär, Justiz, Industrie, Erziehungswesen – arbeiteten und dabei über ihre jeweiligen Netzwerke beträchtlichen gesellschaftlichen Einfluss ausüben konnten. Solche Beziehungsgeflechte führt Raulff derart akribisch und zugleich spannend vor, dass man sich bisweilen bei der Lektüre eines Geheimbundromans wähnt. Wer weiss schon, dass Robert Kempner, der Anklagevertreter bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, der Bruder von Georges Leibarzt Walter Kempner war, der es in den USA durch Erfindung einer Reisdiät zum reichen Mann gebracht hatte? Zu den Nürnberger Angeklagten  gehörte auch der den Georgeanern in den dreissiger Jahren freundschaftlich verbundene Diplomat Ernst von Weizsäcker, dessen Verteidigung wiederum, neben seinem eigenen Sohn Richard, der Sohn eines anderen georgebegeisterten Politikers übernahm: Hellmut Becker, Sprössling des ehemaligen preussischen Kultusministers Carl Heinrich Becker. In den langwierigen Prozessen um Weizsäckers Verurteilung und Begnadigung wirkte Robert Boehringer im Hintergrund als Beckers mächtiger Anwaltsgehilfe, der durch rege Korrespondenz für publizistische und materielle Unterstützung sorgte. Wer die Namen derer hört, die sich damals für Weizsäcker einsetzten, erhält einen Eindruck vom Fortbestehen georgeanischer Netzwerke bis weit in die Frühgeschichte der Bundesrepublik hinein: Margret Boveri, Marion Gräfin Dönhoff, Hartmut von Hentig, Theodor Heuss (aus der Schweiz kam Geld von den Familien Wille und Schwarzenbach). Hellmut Becker war später eine grosse Karriere beschieden: er wurde Gründungsdirektor des Max Plancks-Instituts für Bildungsforschung und zusammen mit seinem Freund Georg Picht (ebenfalls georgeanisch sozialisiert) die zentrale Figur der Bildungsreform der sechziger Jahre. Am „Bildungsbecker“ kann Raulff zeigen, wie ein umgebautes, für Psychoanalyse und Kritische Theorie offenes und damit kaum mehr erkennbares Georgeanertum noch lange die geistige Landschaft Deutschlands geprägt hat.

Raulffs Buch ist ein Paradestück avancierter Kulturwissenschaft: akribisch recherchiert (es bietet eine Fülle bisher unveröffentlichten Quellenmaterials) und jederzeit um argumentative Stimmigkeit bemüht. Zugleich ist es eine Erzählung von hohem Rang: witzig, spannend, anekdotenreich, satirisch scharf, wo es um die skurrilen Fanatismen der heiligen Schar geht, liebevoll in den Portraits seiner klugen Helden wie Kantorowicz und Erich von Kahler.  Klio, die Muse der Geschichtsschreibung, muss nicht unbedingt dichten. Es genügt, wenn sie eine Prosa diktiert wie diese.

Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Das Nachleben Stefan Georges. C.H. Beck Verlag, München 2009.