Quotes on Fanaticism – D/EN

fr: fanatique oder lat. fanaticus = göttlich inspiriert.

Bedeutungsebenen:

I.             im engeren Sinn das Besessensein von einer Idee, Vorstellung oder Überzeugung („ein fanatischer Anhänger einer Ideologie oder einer Gruppierung“, meist also religiös und politisch motiviert.)

hexenverbrennung2II.            im weiteren Sinn eine besonders hohe emotionale Wertschätzung bestimmter Tätigkeiten, Interessengebiete (fanatischer „Motorrad-Freak“ oder „Fußball-Fan“) oder Objekte wie z. B. Sammelobjekte. Harmlose Form, so leitet sich auch vom Begriff „Fanatiker“ Begriff „Fan“ ab, der aber ausschließlich im Sinne von „Enthusiast“ verwandt wird und keine ernsthafte politische, weltanschauliche oder religiöse Überzeugung meint, sondern überschwängliche Begeisterung für Sportler oder Popkünstler.

 

Entwicklung des Begriffes

Staats-Lexikon oder Encyklopädie der Staatswissenschaften, Band 5 (1837)S. 434ff

Fanatismus. Fanatiker. „Jeder übermäßiger – namentlich bis zur Grenze der Wut oder der Verrücktheit gesteigerte – für oder gegen eine Sache, sie es eine Idee oder eine praktische Richtung, oder auch eine Person, oder was sonst ein Gegenstand einer Anhänglichkeit oder Abstoßung, der Liebe oder des Hasses, kann mit dem Namen Fanatismus, nach der weitesten Bedeutung des Wortes, belegt werden. Im engeren Sinne jedoch, oder vorzugsweise gebraucht es für solchen Eifer in religiösen und politischen Dingen.“

twin-tower-9-11Auch hier erkennt man schon, dass auch 1832 das Hauptaugenmerk auf die zwei Pole des politischen und religiösen Fanatismus gelegt wird.

Begriffsspektrum im soziologischen, religiösen und philosophischen Wörterbuch:

I.             Fanatismus: (von lat. fanum, „Opferhaus, Tempel“), das völlige Durchdrungensein von einer Idee, Weltanschauung, Religion, der leidenschaftlich-blinde Eider für eine Sache, eine Ideologie.

II.            Fanatismus (lat. fanum = das Heilige), das polit., sozial oder religiös begründete aggressive, intolerante, besserwisserische Verfolgen gesetzter oder geglaubter Ziele, die als absolute, gegen alle sonstigen mögl. Erfahrungen abgeschirmte Normen gelten. Der F., ohne Selbstkritik u. Bezug zu differenzierten Wirklichkeit, tendiert zur Vereinfachung von Problemen u. entwickelt gegenüber Andersgläubigen oder Ungläubigen inquisitor. Züge. Das Studium der Entstehung und Wirkung von Fanatismus ist ein zentraler Bestandtteil der Soziol. Der Massen, die die Zusammenhänge von sozialer Unzufriedenheit u. Leichtgläubigkeit, von Enttäuschung u. Nachahmungsbereitschaft u. von Selbstentsagung (als Folge sozialen Resignierens) u. Selbstaufopferung (Aufgabe in kollektive Massenexistenz) untersucht.

holland-fansIII.           Fanatismus, übersteigert leidenschaftlicher Eifer in der einseitigen Vertretung  einer subjektiven Überzeugung, hat nicht umsonst seinen Namen von (lat.) fanum, dem der Gottheit geweihten Ort, wonach der Fanatiker ursprünglich der von ihr in rasende Begeisterung Versetzte ist. F. ist eine Begleiterscheinung vieler Religionen, vor allem des Islams. In der Geschichte des Christentums gibt es Beispiele genug dafür, dass der Absolutheitsanspruch einer Lehre in F. umschlagen kann. Bekannt ist der f. von Konvertiten als Reaktion unterdrückter Komplexe.

 

Problem der Begriffsdefinitionen:
Man erkennt, dass auch in den modernen Lexika meist der Fanatismus in die zwei traditionellen Pole eingeteilt wird (Religion/Politik). Der „natürliche“, vielleicht auch gesunde Fanatismus wird nicht erwähnt, oder zumindest nicht mit diesem Begriff bezeichnet. Hat nicht jeder Mensch die Anlage zum Fanatismus? Wie weit haben gerade soziale Massen Anteil an der Fanatisierung des einzelnen Individuums (siehe NS-Zeit). Wovon sind gerade die fanatischen Akteure/Wortführer getrieben? Ist es nicht zu einfach alles auf den religiösen Eifer und die poltische Idee zurück zuführen?

Was haben all die geschichtlichen Phänomene des Fanatismus wie die Französische Revolution, Kommunismus, Nationalsozialismus, Rote-Armee-Fraktion, Islamismus, aber auch extreme Formen des neuzeitlichen Feminismus gmeinsam?

holland-fans2Hinweis: Eigentlicher lat. Ursprung des Begriffes (Opferhaus, Tempel, etc.) ist klar positiv besetzt! Jedoch auch schon am Ursprung fest verbunden mit Religion. Ist vielleicht doch mit jedem Fanatismus der Anspruch auf etwas Heiliges/Einzigartiges/Besonderes verbunden?

Das allgemeine deutsche Wörterbuch bleibt mit seiner einfachen und unbestimmten Definition vielleicht noch am nahesten am Begriff selbst:

Fanatismus: „blind-übertriebener u. unduldsamer Eifer (für eine Überzeugung).“

 

Noun: fanatism: Excessive intolerance of opposing views

Noun: fanatic:    A person motivated by irrational enthusiasm (as for a cause)
“A fanatic is one who can’t change his mind and won’t change the subject

 

Fanaticism is an emotion of being filled with excessive, uncritical zeal, particularly for an extreme religious or political cause or in some cases sports, or with an obsessive enthusiasm for a pastime or hobby. (wikipedia) The difference between a fan and a fanatic is that while both have an overwhelming liking or interest in a given subject, behavior of a fanatic will be viewed as violating prevailing social norms, while that of a fan will not violate those norms.

 

Zitate/Quotes:

“Bedenkt, dass Fanatiker gefährlicher sind als Schurken. Einen Besessenen kann man niemals zur Vernunft bringen, einen Schurken wohl.” – Voltaire, Potpourri

 „Der Fanatismus ist für den Aberglauben, was das Delirium für das Fieber, was die Raserei für den Zorn ist.“ Voltaire

“A fanatic is one who can’t change his mind and won’t change the subject.” Sir Winston Churchill 

„Ein Radikaler ist ein Mensch, der mit beiden Beinen fest in der Luft steht.“ Franklin Delano Roosevelt

„Fanatismus ist eine Denkstörung.“ Norbert Blüm

„Der Fanatismus ist die einzige “Willensstärke”, zu der auch die Schwachen und Unsicheren gebracht werden können.“  Nietzsche, Fröhliche Wissenschaften ( hier sind von Nietzsche auch wieder hauptsächlich die religiösen „Herdentiere“ gemeint)

„Phlegmatische Naturen sind nur so zu begeistern, daß man sie fanatisiert.“ Nietzsche, Morgenröte.

„Solange es noch Fanatiker in der Welt gibt, ist kein Bubenstück so gräßlich, das nicht irgendein betrogener Wahnsinniger in majorem Dei gloriam zu verüben fähig sein sollte.“ Christoph Martin Wieland

„Abscheuliche Lehren sind diejenigen, welche zum Verbrechen, zum Mord verleiten und Fanatiker hervorbringen.“ Jean-Jaques Rousseau => Rousseau fasst ein wichtiges Motiv des Fanatismus ins Auge: die Gewalt. Sie ist ein zentrale Säule im fanatischen Tempel!

„Wollte nun diese Totalität [ der Religion, K.L.] alle Beziehungen des  Staates ergreifen, so wäre sie Fanatismus, [….] denn der Fanatismus ist nur das, die besonderen  Unterschiede nicht gewähren zu lassen.“  Hegel, Grundlinien des Rechts. Hegel erfasst hier gekonnt die Tendenz der Religion zum Fanatismus.

“Der Fanatismus ist gerade bei den Gebildeten zu Hause.” – Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum

“Mit Fanatikern zu diskutieren heißt, mit einer gegnerischen Mannschaft Tauziehen spielen, die ihr Seilende um einen dicken Baum geschlungen hat.” – Hans Kasper, Fanatismus  =>Kasper zeigt deutlich, dass es beim Fanatismus auch immer um eine Stärkung/Verteidigung der Gruppe nach außen geht, siehe gerade fanatische Islamisten. Diese suchen kein Gespräch mit dem Westen (äußerer Feind!), sondern schirmen sich ab = Kollektiv-Meinung!

Es geht also um eine Abstoßung des Außen, ein Verneinen des Anderen, hierzu Nietzsche: „ Der Fanatiker eines Ideals, welches Fleisch und Blut hat, ist gewöhnlich so lange im Rechte, als er verneint, und er ist furchtbar darin: er kennt das Verneinte so gut wie sich selber, aus dem einfachsten Grunde, dass er von dorther kommt, dort zu Hause ist und sich im Geheimen immer fürchtet, dorthin noch zurückzumüssen, […].“ 

“Zur Abwehr der Zweifel wird die bewusste Einstellung fanatisch, denn Fanatismus ist nichts anderes als überkompensierter Zweifel.” – Carl Gustav Jung, Gesammelte Werke, Band 6, S. 376